Osterhasen-OL in Weinfelden – auf der „ältesten OL-Karte ever“

Der Kreuzlinger Osterhasen-OL ist ein Erbstück der mittlerweile aufgelösten OL-Gruppe Kreuzlingen mit einem ebenso ungewohnten wie einfachen Erfolgskonzept: es gibt keine Ranglisten.
Letztes Jahr nahmen rund 800 Personen, meist Familien und Nicht-OL-Läufer, in strömendem Regen an diesem Lauf teil, dessen Endspurt über 208 Stufen zum Ziel hinauf auf den neuen Napoleonturm führte.
Am Karsamstag 20.April 2019 kann neben den Bahnen auf der Stadt-OL-Karte auch auf der „ältesten OL-Karte ever“ gelaufen werden: es ist der Zehntenplan der «Herrschaft Weinfelden» von 1695 – er ist seit 324 Jahren nicht mehr nachgeführt worden!

Die Kennzahlen des letztjährigen Osterhasen-OLs bei Wäldi TG sind eindrücklich: rund 800 Teilnehmer, 3’000 zurückgelegte Kilometer, 6’000 verzehrte Zuckereili (an vielen Posten hat’s Osternestchen), 10’000 angelaufene Posten und 160’000 erklommene Treppenstufen. Und der Grossteil dieser Teilnehmer waren Familien, die sonst kaum an OLs teilnehmen und die sich den Badge ausleihen mussten.

Viele Teilnehmer schätzen, dass es keine Ranglisten gibt: man läuft keine Gefahr, sich als Anfänger peinlicherweise am Ende irgendeiner veröffentlichten Rangliste wiederzufinden, die Kinder können selber in Ruhe Karte lesen, man kann sein Lauftempo jenem der Jungmannschaft anpassen oder darf auch mal spazieren – und man kann das gemeinsame Erlebnis in der Natur und auf der Postensuche so richtig geniessen. Und zuweilen die Zuckereili obendrauf, nicht nur die Kids! Immer häufiger nehmen übrigens Grosseltern mit ihren Enkeln an diesem Lauf teil.


Postenstandort 55 – auf dieser Treppe wurde die Unabhängigkeit des Thurgaus ausgerufen

Dieses Jahr liegt der Karsamstag vom 20. April aber so spät, dass er in die Brut- und Setzzeit fällt, was heisst, dass wir den Lauf nicht wie üblich im Wald durchführen können. So machen wir aus der Not eine Tugend: wir weichen in die Stadt Weinfelden aus, und zwar auf historische Spuren: jeder Posten steht an einem geschichtlich besonderen und interessanten Standort. So heissen denn die Postenbeschreibungen auch nicht „Treppe, oberhalb“, sondern „auf dieser Treppe hat Paul Reinhart die Unabhängigkeit des Thurgaus ausgerufen“; statt „Vegetationsgrenze, NO-Ecke“ vielleicht „im Weinberg des Klosters mit der geschwängerten Nonne“ oder statt an der „einspringenden Hausecke“ steht die Postenflagge bei einer ehemaligen Gerberei: «in der Gerwi, bei den wortkargen Vorfahren von Beni Thurnheer“.

Als Besonderheit kann ein freies Postennetz auf der „ältesten OL-Karte ever“ (meines Wissens jedensfalls) gewählt werden: es handelt sich um den Zehntenplan von 1695, den Obervogt Leonhard Greuter von seiner Herrschaft Weinfelden anfertigen liess. Im heutigen Stadtzentrum stimmt denn auch noch fast jedes Gebäude mit diesem 300-jährigen Plan überein. – Wer findet sich also heute noch damit zurecht? Eine Herausforderung, der sich auch bestandene OL-Veteranen in dieser Art noch nie gestellt haben dürften!

 

Urs Keller, Hauptorganisator

Alle Infos und Anmeldung unter www.osterhasen-ol.ch