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OL-Tage in der Bretagne

Posted by  MartinaK  Nov 7, 2017

Wer hätte gedacht, dass ich meinen ersten Nacht-OL in Frankreich laufen würde und dies erst noch unter dem Namen eines fremden Vereins?
Seit Ende September bin ich in einem zweiten OL-Klub zu Hause – dem COColmar, kurz COC. Dabei lerne ich nicht nur das schöne Elsass kennen, sondern letzte Woche auch die ganz westlich gelegene Bretagne.

Mit einer kleinen Delegation von 9 Läufern und Läuferinnen fuhren wir am vergangenen Freitag los in Richtung Westen. Unser Ziel: Mireloup, ein kleines Kaff in dem wir eine Unterkunft der «Amis de la Nature» reserviert hatten. Die Ankunft klappte, GoogleMaps sei Dank.

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Nach einem ersten Sprint in der Stadt Rennes war am Sonntag Staffeltag. Für die Läufer der Männerstaffel bedeutete dies - früh aufstehen. Die erste Gruppe fuhr bereits um 5 Uhr morgens ab! Ich war froh, Startläuferin bei den Frauen zu sein, so konnte ich zumindest eine Stunde länger schlafen und, ein ganz entscheidender Vorteil, das Klub Zelt war bei unserer Ankunft bereits aufgestellt (der COC hat ein aufblasbares Zelt! Den Vorteil davon habe ich bis zum Schluss nicht ganz entdeckt, es ist aber auf jeden Fall speziell). Während bei den Männern der Massenstart um 6.20 Uhr war und dementsprechend die ersten zwei Läufer mit Stirnlampe unterwegs waren, konnte ich bei meinem Massenstart um 7.20 Uhr bereits aufs Tageslicht zählen. Und so hiess es dann: Kompass stellen und das Tram nicht verlieren! Im topfebenen «Forêt de Villecartier» mit kaum Brombeeren (paradiesisch) und unzähligen Wegen und Trockenrinnen war dies nicht allzu schwer.
Nach dem frühen Aufstehen und den Anstrengungen im Wald hatten wir uns am Abend das kulinarische Highlight der Reise wirklich verdient – ein «Soirée de Crêpe» Mit lauter Akkordeonmusik wurde der Abend von den Gastgebern eröffnet. Zum Glück hatten diese irgendwann alle Lieder gespielt, die sie mehr oder weniger konnten und es ging ans Essen. Vive la Bretagne – Galettes und Crêpes, einfach lecker.
Der Sprint am Montag, in der schönen Altstadt von Dinon, war erst das Einlaufen für den OL am Abend, oder besser gesagt, in der Nacht. Mein erster Nacht-OL! Ich muss sagen, vor diesem Wettkampf hatte ich Respekt, besonders als mir von hungrigen Wölfen, von Hinkelsteinen, die es auf jeden Fall im Gegenuhrzeigersinn zu umrennen gilt!!! und von giftigen Vipern, die sich in den Wäldern der Bretagne verstecken und hungrig auf vorbeilaufende OL-Läufer warten, erzählt wurde. Trotz all diesen Gefahren und Hindernissen habe ich irgendwie den Weg durch die Dunkelheit gefunden. Noch einmal Glück gehabt. Der Himmel ist mir nicht auf den Kopf gefallen.

Und schon stand der letzte OL-Tag vor der Tür. Da der Lauf erst am Abend stattfand, machten wir noch etwas Tourismus und fuhren zum Mont Saint Michel. Ein Kloster, das bei Ebbe zu Fuss erreicht werden kann, bei Flut jedoch auf einer Insel ist.

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Ebenso schön war anschliessend das Küstenstädtchen Saint Malo, in dem wir einen Nacht-Sprint durch die engen Gassen und über und durch verzwickte Wachmauern und -türme liefen. Dies war auf jeden Fall ein wunderbarer Schlusslauf.

 

Bericht: Martina Zürcher